Saale-Wipper-Räte sehen großen Vertrauensbruch und ergreifen Disziplinarmaßnahmen / Verwaltungsgericht hebt aber Hausverbot wieder auf Verbandsgemeinde setzt Verwaltungschef vor die Tür - der klagt sich wieder ein
Güsten/Giersleben l Turbulente Tage im kleinen Wipperstädtchen Güsten und der Nachbargemeinde Giersleben (Salzlandkreis). Die Räte der Verbandsgemeinde Saale-Wipper hatten in einer nichtöffentlichen Sitzung Anfang der Woche einstimmig beschlossen, ihrem Verbandsgemeinde-Bürgermeister und Verwaltungsleiter Steffen Globig (parteilos) den Stuhl vor die Rathaustür zu setzen. Vorwurf: Er habe seine ihm aufgetragenen Aufgaben wiederholt nicht erledigt, sich nicht mit den ehrenamtlichen Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden abgestimmt. Unter anderem sollte sich der Verwaltungschef um den Verkauf von Gewerbeflächen und die Breitbandversorgung kümmern, den Internetauftritt der Verbandsgemeinde aktualisieren.
"Er befasst sich mit allen möglichen Dingen, nur nicht mit seinen eigentlichen Aufgaben", erklärt Helmut Zander (SPD), Verbandsgemeinderatsmitglied und Bürgermeister von Güsten. So habe Globig 120 Briefe an die Kommunalaufsicht verfasst. Damit sei die Behörde quasi lahmgelegt. Das Vertrauen sei zudem einfach nicht mehr vorhanden, nachdem Globig juristisch gegen ehrenamtliche Gemeindevertreter vorgegangen sei, so der Verbandsgemeinderat in seiner Begründung weiter. Über Facebook soll Globig auch über seine "politischen Gegner" berichtet haben, was Helmut Zander sehr befremdlich findet. Zumal es über den Server der Verwaltung gelaufen sei.
Der Verwaltungsleiter, bei der Sitzung nicht anwesend, weil kurzfristig krank gemeldet, spricht von Wildwest-Manier und zeigt sich keiner Schuld bewusst.
Schon am nächsten Tag klagt sich der 39-Jährige vorm Verwaltungsgericht Magdeburg erfolgreich in seine Diensträume zurück. Zwischenzeitlich hatte der Verbandsgemeinderat auch darüber verfügt, Computerdaten der Verwaltung zu sichern. Steffen Globig wird nämlich auch vorgeworfen, Daten vom privaten Handygebrauch des ehrenamtlichen Bürgermeisters von Giersleben, Benno Rietsch (parteilos) ausgespäht oder den zuständigen IT-Mitarbeiter der Verwaltung damit beauftragt zu haben. Auch das bestreitet der Verwaltungsleiter vehement. Globig trat seinen ab gestern geplanten Urlaub nicht an.
Die Festplatten der Computer liegen derweil im Tresor der Verwaltung. Die Datenbeauftragte der Verbandsgemeinde Saale-Wipper wurde von der Kommunalaufsicht angewiesen, den Tresorschlüssel nur auf Anweisung der Staatsanwaltschaft herauszugeben, weiß Bürgermeister Zander.
Globig wehrte sich zunächst mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht hob am Dienstag das Hausverbot auf - vorläufig bis zu einer Hauptverhandlung.
Am selben Tag trat dann der Giersleber Bürgermeister Benno Rietsch (parteilos) zurück. Er ließ am Abend in Abwesenheit während einer Gemeinderatssitzung seine Erklärung von seinem Stellvertreter und Bruder Peter Rietsch (Fraktion Freie Bürger) verlesen. Dabei hieß es unter anderem, dass der Verwaltungsleiter eine "schwarze Akte über unbequeme Bürgermeister geführt habe, die schwerer sei als Stasi-Akten". Benno Rietsch und dessen Famillie fühle sich zudem von Bürgern aus Giersleben bedroht. Die Gemeinderäte bedauerten den Rücktritt außerordentlich, da der Bürgermeister in den zehn Jahren seiner Amtszeit Giersleben nach vorn gebracht habe. Die Wipper-Gemeinde hat einen ausgeglichenen Haushalt. "Auch ohne die von Steffen Globig geforderten Steuererhöhungen", unterstrich Vizebürgermeister Peter Rietsch. Die Gemeinde Giersleben steht vor einer Neuwahl.
Verbandsgemeinde-Bürgermeister Steffen Globig indes bleibt weiter im Amt. Er wurde 2009 von den Bürgern direkt gewählt, ist Beamter auf Zeit für insgesamt sieben Jahre.
Von der Kommunalaufsicht war bis gestern keine Stellungnahme zu den Vorgängen in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper zu erhalten.