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Kriminelle verstricken immer häufiger gutgläubige Internetnutzer in Geldwäsche Wirtschaftsdelikte verursachen Schäden in Höhe von 61 Millionen Euro

19.07.2013, 01:13

Magdeburg l In Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr durch Wirtschaftskriminalität ein Schaden von rund 61 Millionen Euro entstanden. Das teilte das Landeskriminalamt (LKA) am Donnerstag mit. "Wirtschaftskriminalität klingt harmlos, ist aber in hohem Maße schädlich", sagte LKA-Chef Jürgen Schmökel.

Knapp 40 Prozent aller durch Kriminalität verursachten Vermögensschäden seien auf Delikte wie Insolvenzverschleppung und Betrug zurückzuführen. Zwar sind die Schäden im Jahr 2012 niedriger ausgefallen als in den Vorjahren, doch die Zahl der Fälle ist insgesamt von 1053 in 2011 auf 1323 in 2012 angestiegen. Neben Einzelpersonen werden Schmökel zufolge vor allem staatliche Institutionen geschädigt, etwa beim Subventionsbetrug oder bei der Steuerhinterziehung.

Für die Ermittler rücke aber auch die Geldwäsche zunehmend in den Fokus. Die Zahl der beim LKA gemeldeten Verdachtsfälle ist von 192 im Jahr 2011 auf 224 in 2012 gestiegen. Kriminelle würden hierbei immer häufiger gutgläubige Internet-Nutzer als Finanzagenten in ihre dunklen Geschäfte verwickeln, so Schmökel.

Eine der gängigen Maschen seien Gewinnschreiben. Die Gauner stellen hierbei ihren nichtsahnenden Internetnutzern, die somit zu Komplizen werden, hohe Geldbeträge in Aussicht, die sie angeblich bei Preisausschreiben gewonnen hätten. Sie verlangen dann aber von ihnen, ihr Konto zunächst für andere Geldüberweisungen zur Verfügung zu stellen. Dabei erhalten die Kontoinhaber dann illegal erworbenes Geld, das sie auf die Konten der Betrüger weiter überweisen sollen. Während die Gauner ihre Spuren vor den Ermittlern auf die Weise verwischen, erleben die Komplizen oft ihr blaues Wunder. Denn Banken melden den Behörden auffällige Geldüberweisungen, früher oder später stehen dann bei den Komplizen die Beamten des Landeskriminalamtes vor der Tür. Statt einem Gewinn von mehreren Tausend Euro erhalten sie dann eine Anzeige wegen leichtfertiger Geldwäsche. Die Hintermänner kommen hingegen oft ungeschoren davon, zumal sie oft von anderen Ländern aus operieren.

LKA-Kriminaldirektor Stefan Damke warnte deshalb davor, auf verheißungsvolle Gewinnschreiben zu reagieren. "Man sollte zumindest keine Vorleistungen oder Vorauszahlungen tätigen und gleich nach den Personalien fragen", so Damke.

Die Aufklärungsquote bei der Wirtschaftskriminalität liegt laut LKA bei mehr als 90 Prozent. In Bezug auf alle Arten von Kriminalität fällt die Quote mit 60 Prozent hingegen schlechter aus. Schmökel zufolge sind Verfahren im Bereich Wirtschaftskriminalität rechtlich aber oft sehr kompliziert. Es müssten viele Beweismittel ausgewertet werden, eine Verfahrensdauer von bis zu fünf Jahren sei nicht selten. "Im Regelfall benötigen wir für unsere Ermittlungen speziell ausgebildete Kriminalisten", so der LKA-Chef. Wie viele es davon gibt, sagte er aber nicht.