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Formel 1 Die Leiden von Verstappens Teamkollegen: „Manchmal grausam“

Es ist nicht leicht, Teamkollege von Verstappen zu sein. Am Telefon wurde Lawson von Red Bull abserviert. Einer seiner Vorgänger will sich gar nicht erst erinnern. Nun soll sich ein Japaner beweisen.

Von Martin Moravec, dpa 03.04.2025, 10:19
Der Nächste, bitte! Yuki Tsunoda versucht es jetzt bei Red Bull.
Der Nächste, bitte! Yuki Tsunoda versucht es jetzt bei Red Bull. Hiro Komae/AP/dpa

Suzuka - Max Verstappens neuer Red-Bull-Teamkollege Yuki Tsunoda nahm sich auch für seine jüngsten Fans Zeit. Der Nachfolger des nach gerade einmal zwei Formel-1-Rennen degradierten Liam Lawson aus Neuseeland posierte im Fahrerlager von Suzuka strahlend mit einem Pärchen und dessen Neugeborenem.

Ultimativer könnte der Yuki-Hype beim Grand Prix von Japan am Sonntag (7.00 Uhr MESZ/Sky) gar nicht sein, wenn Tsunoda ausgerechnet frisch nach der Beförderung seinen Heim-Grand-Prix bestreitet. „Es könnte nicht verrückter sein“, räumte der 24-Jährige vor der dritten Etappe des Jahres selber ein.

Lawson erfährt von seinem Aus am Telefon

Die Formel 1 ist ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Red Bull gibt sich gerne noch einen Tick gnadenloser, wenn es um den Platz neben dem viermaligen Weltmeister Verstappen geht.

Lawson war erst zum Saisonstart vom Schwesterteam Racing Bulls aufgestiegen. Seine Leistungen waren aber so enttäuschend, dass er am Telefon abserviert wurde. „Ich habe es so früh nicht erwartet“, erzählte er, nachdem er vor vollendete Tatsachen gestellt worden war.

„Manchmal muss man grausam sein“

Am Eingang des Fahrerlagers empfing ihn sein alter Rennstall mit einem Willkommensgruß. „Wir haben dich vermisst“, stand auf eine Boxentafel geschrieben, die ein kleines Empfangskomitee hochhielt.

„Natürlich ist es schrecklich, weil man jemandem seine Träume und Hoffnungen nimmt“, meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner im TV-Sender Sky Sports F1. „Aber manchmal muss man grausam sein, um freundlich zu sein. Ich denke, dass das in diesem Fall nicht das Ende für Liam ist.“

Tsunoda, das Temperament und der Psychologe

Die Härte des Motorsport-Geschäfts kennt auch Tsunoda. Der Zögling von Honda, das nach diesem Jahr endgültig bei Red Bull als Motoren-Hersteller aussteigt und ab 2026 Aston Martin mit Aggregaten versorgt, hatte eigentlich zum Ende der vergangenen Saison mit dem Cockpit neben Verstappen gerechnet. Doch Red Bull entschied sich anders.

„Für mich war das schon brutal genug, als sie mir Liam vorgezogen haben“, meinte Tsunoda, der mit einem Psychologen an seinem am Boxenfunk zu oft aufbrausenden Gemüt gearbeitet hat. „Ich sage jetzt nicht, dass ich das Zutrauen habe, gleich gegen Max zu bestehen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich etwas anderes zu bieten habe als die anderen Fahrer.“

Gasly weist Erinnerungslücken auf

Einer dieser anderen Fahrer, die an der Seite von Verstappen förmlich verglühten, war Pierre Gasly. Der heutige Alpine-Pilot erhielt 2019 die Chance, sich neben dem Ausnahmefahrer aus den Niederlanden zu beweisen. In der Sommerpause desselben Jahres musste er aber wieder zurück zum Entwicklungsteam, das damals noch Toro Rosso hieß.

„Daran erinnere ich mich nicht“, wies Gasly Erinnerungslücken auf, als es um sein Frust-Kapitel Red Bull ging. Verdrängung ist auch eine Taktik, wenn man mit dem teaminternen Zweikampf gegen Verstappen konfrontiert wird.

Verstappens vielsagender Like

Das Problem mit dem 63-maligen Grand-Prix-Gewinner ist, dass er so verdammt schnell ist. Der Red Bull ist maßgeschneidert auf Verstappen, der eine stabile Vorderachse und ein eher unruhiges Heck bevorzugt. Auf diesen Fahrstil muss man sich erst einmal einlassen.

„Für mich ist es schwer zu sagen, ob der Wagen leicht oder schwer zu fahren ist, weil ich kein anderes Auto kenne“, sagte Verstappen und zeigte mit seinem Like für einen kritischen Beitrag des früheren Formel-1-Piloten Giedo van der Garde zum Fahrerwechsel bei Red Bull, dass er mit dem Blitz-Aus von Lawson nicht einverstanden ist.

Video-Studium in Sachen Verstappen

Tsunoda müsse einfach „den Dreh selber rausbekommen“, betonte Verstappen. Dafür hat dieser versucht, sich in aller Kürze im Simulator mit dem neuen RB21 vertraut zu machen. Außerdem nahm er Verstappens Fahrstil im Video-Studium unter die Lupe.

Dessen Aussage zu Tsunoda ist gar nicht mal ablehnend aufzufassen. Den Superstar der Formel 1 interessiert das zweite Red-Bull-Cockpit einfach nur insofern, er einen Teamkollegen bekommt, der ihm auf der Rennstrecke in Positionskämpfen helfen und Red Bull in der Konstrukteurswertung wertvolle Punkte liefern kann.

„Einzigartiger Moment“ für Tsunoda

Tsunoda sehen die Red-Bull-Verantwortlichen aus dem eigenen Stall dazu noch am ehesten in der Lage. Er sei reifer geworden, wird immer wieder versichert. Und was für eine Story könnte das schon in Suzuka werden: Beförderung, Heimrennen, Abschiedsvorstellung von Honda bei Red Bull - und dann vielleicht auch noch das erste Podium eines Japaners seit Kamui Kobayashi 2012 für Sauber?

„Das ist ein seltener und einzigartiger Moment, in dem mehrere Herausforderungen und Stresssituationen zusammenkommen“, sagte Tsunoda. „Ich weiß nicht, ob ich so etwas jemals wieder erleben werde, also möchte ich es einfach genießen.“