Magdeburgerin Ingrid Poetzsch mit einem aufschlussreichen Vortrag in der Burger Erinnerungsstätte "Scharnhorst kann als Förderer von Clausewitz bezeichnet werden"
Burg l Nach Erkenntnissen und Bewertungen in einem Vortrag über den preußischen Militärreformer Generalfeldmarschall Neidhardt von Gneisenau vor einem Jahr in der Clausewitz-Erinnerungsstätte folgte jetzt im gleichen Monat ein Vortrag über General Gerhard David von Scharnhorst. Beide gehalten von der Magdeburgerin Inge Poetzsch. Das genannte historische Persönlichkeitsduo, das dürfte unschwer zu erkennen sein, war Gefährte von Carl von Clausewitz. "Scharnhorst kann man als Förderer und väterlichen Freund von Clausewitz bezeichnen", stellte die Referentin heraus. Wie schon vor einem Jahr waren die Stühle an dem frühen Abend im Clausewitzhaus bestens besetzt.
"Ich komme gern nach Burg", gestand sie der Volksstimme. Vor allem führt sie vorliebend der Weg in die Clausewitz-Stätte. "Eine derartige spezielle Einrichtung über eine preußische Größe ist selten in Deutschland und zu Ehren von Carl von Clausewitz ohnehin. Nur einmal und das in seiner Geburtsstadt", begründet sie ihre Sympathie für die Ihlestadt. Es sei äußerst wichtig, das Gedenken an den großen Burger Sohn, wie Ingrid Poetzsch Clausewitz bezeichnet, und an seine Kampfgefährten zu bewahren. Nicht im nationalen Überschwang, aber um maßvoll der nationalen Geschichte gerecht zu werden und sie immer wieder mit neuen Erkenntnissen versuchen neu zu gründen, erläutert Poetzsch. Der Grund, warum sie jetzt den Burger Geschichtsinteressierten Gerhard David von Scharnhorst nahe gebracht hat, ist dessen bevorstehender 200. Todestag im kommenden Jahr und "unter der Überschrift in Vorbereitung des 200. Jahrestages der Völkerschlacht gleichfalls 2013". Nach Ansicht der Magdeburgerin hat die hiesige Region und im besonderem Maße Möckern/Vehlitz mit der dort stattgefundenen Schlacht des Befreiungskrieges gegen Napoleon einen herausragenden Platz in der Erinnerung an die Geschehnisse vor zwei Jahrhunderten. Das machte sie an dem Abend in ihrem Vortrag über Scharnhorst deutlich mit der Darstellung seines Lebensweges, des militärischen Werdeganges, seiner Selbstzeugnisse und der Beziehungen zu Carl von Clausewitz.
Wer ist eigentlich Ingrid Poetzsch, kann man sich in dem Zusammenhang durchaus einmal fragen? Eine studierte Historikerin ist sie jedenfalls nicht. Von Berufswegen war sie Jahrzehnte Lehrerin an einer Magdeburger Schule für die Fächer Deutsch und Kunsterziehung. Eine Frau im inzwischen fortgeschrittenen Alter, die sich schon seit eh und je für Geschichte begeistert hat. "Meine Familie war eine sehr musische und der Kultur in all seinen Formen verbunden. Irgendwie kann man Geschichte in ihren zahllosen Facetten schließlich zum Kulturerbe der Menschheit zählen", begründet sie den lebenslangen Hang die vielschichtige Historie zu ergründen. Sie wirkt in der Otto-von Guericke-Gesellschaft Magdeburg mit, trug ihren Teil zum offiziellen Kaiser-Otto-Jahr und ist akribisch und ungebrochen neugierig die Magdeburger Stadtgeschichte auszuforschen. "Ja, es stimmt, Recherchen zu den preußischen Militärreformern sind ein Teil meines Steckenpferdes. Mit ihm reite ich weitaus mehr Geschichtsperioden, als nur diese eine", gesteht sie.