Rosemarie Schönbeck aus Burg ist enttäuscht / Geringes Strafmaß für "einfache Wegnahme" Vom Balkon gestohlen: Primeln, Ampeln und Palme
Burg l Für die Polizei handelt es sich um eine einfache Wegnahme, für die Anwohner in der neuen Wohnanlage Breiter Weg/Ecke Deichstraße ist es die morgendliche Sorge, ob wieder etwas auf ihrem Balkon fehlt. "Erst die Primeln, dann die Blumenampeln und jetzt auch noch meine schöne Palme", zählt Rosemarie Schönbeck all das auf, was bisher von ihrem ebenerdigen Balkon verschwunden ist. Auch Angelika Lippelt hat in der neuen Anlage eine Erdgeschosswohnung mit Balkon zum Hof bezogen. "Mein schönstes Geburtstagsgeschenk, eine Laterne für Kerzen, war bereits nach einer Woche von der Veranda verschwunden, auch der neue Aschenbecher fehlte", erzählt die Mieterin erschrocken über soviel Dreistigkeit.
Angezeigt haben die beiden Frauen den Diebstahl nicht. "Bei so einem geringen Wert passiert eh nichts", ist Rosemarie Schönbeck überzeugt. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch bestätigt, dass das Strafmaß für die Täter tatsächlich von dem Wert des Diebesgutes abhängt. Doch noch viel ärgerlicher für die Betroffenen ist, dass es sich in ihrem Fall um eine einfache Wegnahme handeln soll. "Muss der Dieb nichts aufbrechen, zerstören oder überwinden, um an seine Beute zu gelangen, wird ein niedrigeres Strafmaß angesetzt", so Thomas Kriebitzsch.
"Das klingt ja, als wenn ich selbst schuld bin, alles so freizügig auf meinen Balkon zu stellen", ist Angelika Lippelt empört. Doch Polizeioberkommissar Kriebitzsch kann die Bestohlenen beruhigen: "Die Polizei ermittelt genau so intensiv wie bei jedem schweren Diebstahl. Wichtig ist aber, dass jeder Fall angezeigt wird." Denn nur dann könnten die Beamten Schwerpunkte erkennen und ihre Konsequenzen ziehen. Angelika Lippelt würden ein paar mehr Streifenfahrten der Beamten entlang des Innenhofes schon beruhigen. Jeden Abend vorm Schlafengehen holen die Anwohnerinnen jetzt alles Wichtige rein. Doch die schwere Sitzbank könne Rosemarie Schönbeck einfach nicht allein tragen.
Wenn die Anwohner morgens ihre Jalousien wieder hoch machen, hoffen sie, dass nichts fehlt. Viel mehr noch hofft Waltraud Falke, dass es sich nicht wieder jemand nachts auf ihren Balkonstühlen bequem gemacht hat. Auch sie wohnt im Erdgeschoss und hat ihre Veranda zum Hof hin liebevoll mit Blumen bepflanzt. "An meiner Palme und den schönen hängenden Geranien hat sich zum Glück noch keiner vergriffen, aber gesessen haben muss hier nachts schon mal jemand", erzählt Waltraud Falke. Denn morgens hätten die Stühle anders gestanden, die Tischdecke wäre abgenommen und die leeren Bierflaschen der beste Beweis gewesen.
"Der Gedanke macht mir ein wenig Sorgen, dass man nachts nie weiß, wer sich hier auf unserem nur flach eingezäunten Hof einfach so rumtreibt", sagt die Bewohnerin.