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Klassentreffen in der Gröpertorschule Herzliches Wiedersehen nach einem halben Jahrhundert

Von Gerald Eggert 08.09.2011, 04:26

Wiedersehen nach einem halben Jahrhundert: In Halberstadt trafen sich Frauen und Männer, die am 9. Juli 1961 ihren Schulabschluss gefeiert haben, zum Klassentreffen.

Halberstadt. "Aufregung pur war das damals", erinnern sich Christa Puhrer, Karla Elsner und Bärbel Pröhle an den Tag der Zeugnisübergabe im Juli 1961. Ihr Klassenlehrer Günther Einecke schrieb damals ins Jahrgangsbuch: "Von unseren Schulabgängern der 10. Klasse erreichten alle 31 Schüler das Klassenziel und bestanden damit die Abschlussprüfung. 12 Schüler erhielten das Prädikat Gut, 17 das Prädikat Befriedigend und 2 das Prädikat bestanden. Die neue Zensurenskala, nach der die Note 4 noch Genügend ist, hatte sich in der Praxis nicht bewährt."

"Die meisten von uns sind in der Stadt oder im Landkreis geblieben"

Am 9. Juli 1961 wurde der Schulabschluss gefeiert. Die Lehrausbildung begann, das Familien- und Berufsleben schlossen sich an. 50 Jahre sind seit der Zeugnisübergabe an die Zehntklässler der damaligen Mittelschule II vergangen. Ein guter Anlass, sich nach so langer Zeit an jenem Ort zu treffen, an dem man ein Jahrzehnt gemeinsam die Schulbänke drückte, Freundschaften schloss, manchen Streich ausheckte und viele schöne Stunden über die Unterrichtszeit hinaus miteinander verbrachte.

Rein äußerlich, auf den ersten Blick, habe sich kaum etwas verändert, hieß es beim Zusammentreffen auf dem Schulhof der Sekundarschule "Am Gröpertor". Auf den zweiten jedoch wurde festgestellt, dass gerade mit der Sanierung in den letzten Jahren das Schulgebäude wieder etwas von seinem alten Glanz bekommen und auch einige Veränderungen erfahren hat. Überrascht waren alle beim Betreten des Westflügels, in dem damals die Mittelschule II untergebracht war. Hier hat nicht nur die neue Farbgebung für eine freundlichere Atmosphäre gesorgt. In der ersten Etage, gleich neben der Aula befand sich der Klassenraum. Der konnte nicht betreten werden. Dafür aber die Aula, in der alle durch zwei Bilder an damals erinnert wurden. Das riesige Wandbild "Sozialistisch lernen, arbeiten und leben" und das Gemm-Gemälde von der Gröperstraße.

Unter letzterem wurde vor einem halben Jahrhundert das Abschiedsklassenfoto gemacht. Eine gute Gelegenheit, es nach so langer Zeit noch einmal nachzustellen. So nahmen 18 Frauen und Männer die Positionen von damals ein und ließen sich gemeinsam mit ihrem ehemaligen Klassenlehrer Günther Einecke für ein aktuelles Erinnungsfoto ablichten.

Zuvor waren sie herzlich willkommen geheißen. Zuerst von Andreas Güldner, der sogar zur Gitarre griff und mit einem Lied an die erste Liebe auf dem Schulhof erinnerte. Dann von Schulleiterin Gundula Schiller, die sich, durch die Teilnahme an einer Bauberatung, etwas verspätet hatte. Das war für sie gleich ein Aufhänger, über die baulichen Veränderungen an dem über 100 Jahre alten Schulgebäude zu sprechen. Um danach in 50 Jahre alten Jahrgangsbüchern zu blättern, in denen neben Abschlussberichten und Mitschriften von Sitzungen der Lehrerschaft auch Kritisches aus dem Jahre 1961 vermerkt war. Damals war gerade der polytechnische Unterricht eingeführt worden.

Um den Ehemaligen einen möglichst umfassenden Einblick in das heutige Schulleben zu geben, nahmen sich neben der Direktorin zwei Lehrerinnen und drei Lehrer der Gäste an. Diese erfuhren, wie die Leitidee "Miteinander lernen, miteinander arbeiten, miteinander wirtschaften" im Alltag umgesetzt wird, und was mit dem 2005 verliehenen Titel Europaschule verbunden ist. Sehr intensive Partnerschaften zu Schulen in Tschechien, den Niederlanden und Frankreich sollen künftig noch auf andere Länder erweitert werden. Derzeit werden rund 300 Schüler in der Sekundarschule "Am Gröpertor" unterrichtet. Sie nutzen die erweiterten Bildungsangebote und Arbeitsgemeinschaften, profitieren von der Zusammenarbeit mit lokalen Firmen sowie von der Berufsorientierung und haben Spaß bei den regelmäßigen Veranstaltungen an der Schule.

"Die meisten von uns sind in der Stadt oder im Landkreis geblieben", bemerkte Karla Elsner. Nur wenige hätte es etwas weiter weg verschlagen. Daher habe man über die Jahre immer mal etwas mitbekommen, was im ehemaligen Schulhaus passiert. "Doch die Führung und die sehr umfangreichen Informationen bei diesem Besuch haben uns alle überrascht und erfreut", ergänzt sie, "dafür möchten wir uns herzlich bedanken."