Deutscher Architekturpreis: Das Salbker Lesezeichen-Projekt bekommt schon wieder eine renommierte Auszeichnung Das wohl meistdekorierte Bauwerk der Stadt
Schon wieder ein bedeutender Preis für das Salbker Freiluft-Lesezeichen. Gestern standen Architekten, Initiatoren und Stadt beim "Deutschen Architekturpreis 2011" auf dem Treppchen.
Salbke. l Wo noch vor drei Jahren Salbkes hässlichster Schandfleck zu finden war, steht heute das wohl meistdekorierte Bauwerk der Stadt: Das Salbker Freiluft-Lesezeichen räumt bei immer mehr bedeutenden Wettbewerben gleich reihenweise Preise ab. Gestern nahmen Karo-Architekten, Bürgervereinsmitglieder und Stadtplaner in Dresden einen Anerkennungspreis beim "Deutschen Architekturpreis" entgegen. Bundesbauminister Peter Ramsauer lobte das Projekt als "beispielgebend".
Der renommierte und größte deutsche Architekturpreis wird 2011 erstmals von Bundesbauministerium und Bundesarchitektenkammer vergeben. Ausgezeichnet wurden gestern im Dresdner Albertinum architektonische und städtebauliche Projekte, die in den letzten fünf Jahren in Deutschland fertiggestellt wurden. Sowohl Neubauten als auch Sanierungen bzw. Umbauten konnten eingereicht werden. Für das "Lesezeichen Salbke" gab es eine Anerkennung.
Beispiel für Schrumpf-Städte
In der Begründung heißt es u. a. dass das 2008/2009 entstandene Lesezeichen Salbke als offenes Stadtregal beispielgebend dafür ist, wie Brachflächen neu belebt werden können. Das Bauwerk geht auf ein Projekt zur Brachflächengestaltung des Stadtplanungsamtes, der Architektengruppe KARO aus Leipzig sowie Architektur und Netzwerk von Sabine Eling-Saalmann aus Magdeburg zurück.
Die "Lesezeichen"-Erfolgsgeschichte beginnt im Jahr 2005, als Bürger unter Regie des Bürgervereins in Workshops die Gestaltung der Fläche planen. Schnell wird klar, was sich die Salbker wünschen: einen Treffpunkt für alle Generationen mit Bühne, Büchervitrinen und Sitzterrassen. Die Hartnäckigkeit aller Beteiligten führt schließlich zu den Fördertöpfen des Ministeriums für Bauwesen und Raumordnung, wo das Lesezeichen als ein Projekt im Rahmen des ExWost Forschungsprogrammes gefördert wird.
Nach Erteilung des Förderbescheides kauft die Stadt Magdeburg die Brache an der Blumenberger Straße und plant die Bauausführung. Fassadenteile vom Abriss eines Horten-Kaufhauses in Hamm werden verbaut. Nach Grundsteinlegung (Herbst 2008) wird das Lesezeichen 2009 an den Bürgerverein Salbke, Westerhüsen, Fermersleben e.V. als Hauptnutzer übergeben.
Literarisches Stadtmöbel
Seitdem sorgt das Lesezeichen in Architektenkreisen als "literarisches Stadtmöbel" für Furore. Es profiliert sich als Modellvorhaben für familien- und altengerechte Stadtquartiere. Im schrumpfenden Stadtteil ist nicht nur räumlich- architektonisch Neues entstanden, sondern auch ein Treffpunkt für Kultur. Architektin Sabine Eling-Saalmann: "Das ,literarische\' Stadtmöbel ist nun das sichtbare Zeichen eines Prozesses aus Kommunikations- und Interaktionsschleifen."
Zahlreiche Preise beweisen, dass das gefeierte Projekt nicht nur für energetisch sinnvolles Recycling von Bauprodukten steht, sondern auch für die Rehabilitierung von Zeichen einer Architektur der Nachkriegsmoderne.
Das Projekt wurde in mehreren nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, u.a. in der Ausstellung "Find the Gap" zum 25- jährigen Jubiläum der Berliner Architekturgalerie Aedes, in der Ausstellung "Talking Cities" zur Eröffnung der Kohlenwäsche auf der Zeche Zollverein in Essen, zur 11. Internationalen Architektur-Biennale im Deutschen Pavillon in Venedig, der "REALSTADT"-Ausstellung im Berliner Kraftwerk Mitte, sowie bei der Ausstellung zum DAM-Preis im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt/ Main.