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Rezension nach Premiere Theater Magdeburg zeigt deutsche Erstaufführung: „Minihorror“ aus dem täglichen Leben

Im Schauspielhaus zeigt das Theater Magdeburg den heimischen Wahnsinn.

Von Martin Rieß 27.03.2025, 06:50
Niklas Hummel und Anton Andreew in Minihorror im Theater Magdeburg.
Niklas Hummel und Anton Andreew in Minihorror im Theater Magdeburg. Foto: Katrin Ribbe/TM

Magdeburg. - Schon einmal im Einzelhandel auf launisches Verkaufspersonal getroffen. Schon einmal in der Telefon-Hotline von Ansprechpartner zu Ansprechpartner weitergereicht worden, ohne etwas zu erreichen? Schon einmal im Wartezimmer der Arztpraxis durch die Marotten anderer Patienten verstört worden? Schon einmal im Urlaub nur Pech gehabt? Schon einmal eine Katze erlebt, die eigenen Willen beweist? Oder schon einmal bei einem Besuch bei der Schwiegerfamilie von deren Gewohnheiten irritiert worden? Kaum jemand wird diese Fragen mit Nein beantworten können, und folglich wird sich auch jeder in einer neuen Inszenierung des Theaters Magdeburg wiederfinden.

Vorstellungen sind bislang für diesen Sonnabend –, nur noch eine Restkarte verfügbar – am 11. April und 8. Mai jeweils um 19.30 Uhr im Schauspielhaus des Theaters Magdeburg in der Otto-von-Guericke-Straße 64 geplant.

Auch interessant: Tickets gibt es im Vorverkauf auch bei Biberticket online, unter Telefon 0391/5999700 und in allen Biberticket-Verkaufsstellen - zum Beispiel in der Goldschmiedebrücke 17 in Magdeburg.

Um den Horror des Alltags geht es in dem mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse 2024 ausgezeichneten Kurzgeschichtenband „Minihorror“ von Barbi Markovic. In der deutschen Erstaufführung wurden nun ausgewählte Geschichten in der Regie von Alina Fluck am Theater Magdeburg auf die Bühne gebracht.

Anton Andreew und Luise Hart in der Inszenierung von „Minihorror“ im Schauspielhaus.
Anton Andreew und Luise Hart in der Inszenierung von „Minihorror“ im Schauspielhaus.
Foto: Katrin Ribbe/TM

Absurder Alltag im Theater Magdeburg

Die Zuschauer werden dabei in die Welt begleitet, mit der wir es Tag für Tag zu tun haben: Die Kommunikation mit anderen Menschen scheint den Austausch von Nachrichten zuweilen eher zu behindern. Und viele Dinge bleiben unverständlich.

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Auf der Bühne agieren Anton Andreew, Laura Fouquet, Luise Hart und Niklas Hummel. Die vier sorgen dafür, dass die grotesken Situationen sich dem Publikum als humorvolles Spiegelbild der eigenen Lebenswirklichkeit präsentieren. Dabei geht es flott und ohne Längen durch die einzelnen Episoden, die in sich geschlossen sind und als roter Faden allein durch ihre Figuren verbunden sind.

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Mit Mäuseohren versehen wurden dazu die beiden Protagonisten. Das hat sicher nicht allein damit zu tun, dass die Namen von Mini und Miki an die berühmten amerikanischen Cartoon-Figuren erinnern. Das macht auch deutlich, dass sie wie Mäuse in einem gesellschaftlichen System gefangen sind, in dem zwischen Konsum und Katzenvideos Grenzen definiert sind. Böse gesagt: Als typische Vertreter des Menschen der modernen Zeit sind sie nicht solch helle Kerzen auf der Geburtstagstorte, als dass sie sich aus den Zwängen und Beschränkungen befreien können – nicht einmal zum Ende ihrer Existenz.

Ganz nebenbei machen es die Ohren leicht zu erkennen, welcher der vier Akteure gerade welche Rolle einnimmt. Denn ganz modern wird hier immer einmal gewechselt, wer gerade wen spielt. Das muss nicht gefallen, ist aber ein guter Fingerzeig darauf: In allen Menschen steckt ein wenig Miki und Mini.

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Verpackt in humorvolle Bilder aus Kostüm und Bühne von Camilla Lønbirk und Olivia Schrøder von Lüttichau sorgen die Szenen für einen kurzweiligen und humorvollen Abend, in dem dennoch einige tiefgründigere Themen angesprochen werden: Es geht auch um Einsamkeit und Fremdsein, um Entfremdung und die große Liebe, um das Mit- und Gegeneinander. All dies flott und kraftvoll erzählt – kurzum: sehenswert.