Kreissprecher Schlenker: "Umweltamt hätte sich gegen BNK-Antrag aussprechen müssen" Börde-Grüne fordern ein Nein zur umstrittenen Gasförderung im Landkreis
Die Bündnisgrünen sind die erste Partei im Bördekreis, die sich mit dem geplanten Gas-Fracking befasst hat. Sie kritisieren "erschreckende Tatsachen", verbunden mit der Forderung, diese umstrittene Fördermethode sollte derzeit nicht genehmigt werden.
Haldensleben/Magdeburg l Als völlig unzureichend bezeichnen die Bündnisgrünen die Informationen des Landes-Bergamts in der Frage des sogenannten Gas-Frackings. Wie die Volksstimme berichtete, hatte der kanadische Mineralölkonzern BNK Petroleum Inc. bereits im Oktober 2009 bei der Landesbehörde die Erkundung von Erdgasfeldern in Sachsen-Anhalt beantragt. Eines dieser Felder trägt die Bezeichnung Harz-Börde, betroffen davon sind weite Teile des Kreissüdens in der Börde. Fracking ist eine Fördermethode, bei der durch Einpressen von Wasser, Sand und Chemikalien in ein Bohrloch Risse in der Erdkruste erzeugt werden. Ziel ist, die Durchlässigkeit in der Gesteinsschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau beispielsweise von Erdgas möglich ist.
Dass das Landesamt für Geologie und Bergwesen im Mai 2010 den Kanadiern die Gaserkundung in Sachsen-Anhalt genehmigt habe, dieses Thema jedoch erst jetzt öffentlich diskutiert werde, veranlasst die Bündnisgrünen zu fragen: Zufall oder stehen konkrete Erkundungen ins Haus? In einer Pressemitteilung des Kreisvorstandes der Bündnisgrünen kritisieren sie die Zustimmung des Kreis-Umweltamtes zum Antrag des Konzerns aus Vancouver: "Der Hinweis, dass eine Gefa¨hrdung des Grundwassers beim Gas-Fracking ausgeschlossen werden muss, ist grundsa¨tzlich richtig. Das ha¨tte aber nach unserer Ansicht zu einer klaren negativen Stellungnahme der Kreisverwaltung fu¨hren mu¨ssen." Grünen-Sprecher Thomas Schlenker weist darauf hin, dass in der BNK-Erkundungsregion etliche Wasserwerke zur Trinkwasserversorgung betrieben werden, die fu¨r die Menschen in der Bo¨rde "von elementarer Bedeutung" sind.
Gas-Fracking kann Sicherheit von Morsleben gefährden
Die aus den USA bekannten negativen Auswirkungen der Fracking-Methode zur Gasförderung auf das Grundwasser "ko¨nnen nur zur Vorsicht mahnen und mu¨ssen zu einer Ablehnung dieses Gewinnungsverfahrens fu¨hren", fordern die Bündnisgrünen.
In ihrer Erklärung weisen sie zudem auf die geologischen Besonderheiten in der Börde hin. An zahlreichen Stellen der "Weferlingen-Scho¨nebecker Triasplatte" gebe es sogenannte Auslaugungsvorga¨nge und oberfla¨chige Salzaustritte. Das Gas-Fracking ko¨nnte derartige Vorga¨nge beschleunigen und somit Gela¨ndesenkungen, Geba¨udescha¨den oder groß-ra¨umige Versalzungen des Grundwassers bewirken, heißt es. Bohrungen seien auch in der "Allertal-Sto¨rungszone" vorgesehen. Schlenker: "Dort befindet sich das Endlager fu¨r radioaktive Abfa¨lle Morsleben. Das Gas-Fracking kann die Langzeitsicherheit des Endlagers gefa¨hrden." Laut "Mitteldeutscher Zeitung" plant die BNK Deutschland GmbH, noch in diesem Jahr mit den Erdgas-Erkundungen in Sachsen-Anhalt zu beginnen. Dabei soll zunächst mit Hilfe von Schallwellen nach dem Bodenschatz gesucht werden.
Die Bördegrünen beklagen gegenüber der Volksstimme einen zu großen Einfluss der Wirtschaftslobby auf das Bergrecht, dadurch ließen sich Forderungen des Umweltrechts nur schwer durchsetzen, heißt es. Dass es bis heute im Kreistag keine politische Meinungsbildung zum Antrag des kanadischen Mineralölkonzerns zur Gaserkundung in Harz und Börde gegeben hat, auch das kritisiert der Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen. Zugleich verweisen sie auf eine Erklärung ihrer Landtagsfraktion. Darin wird darauf hingewiesen, dass Länder wie Großbritannien und die Niederlande sowie in Teilen der Schweiz die zuständigen Behörden ein sogenanntes Moratorium - einen zeitweiligen Verzicht - für Gasfracking verfügt haben, in Bulgarien und Frankreich sei es sogar verboten.
In Deutschland sei mit Engpässen bei der Gasversorgung nicht zu rechnen, so die Bündnisgrünen im Landtag. Eine Förderung müsse ohne Giftstoffe erfolgen, solange jedoch die Umweltfolgen durch Gas-Fracking nicht bekannt seien, werde die Landesregierung aufgefordert, Anträge der Firma BNK Petroleum auf eine Betriebserlaubnis in Sachsen-Anhalt nicht zu genehmigen.