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Modellprojekt Sachsen-Anhalt startet digitale Lernwelt für Schulen

Das Bildungsministerium will neue Formate an Sachsen-Anhalts Schulen deutlich ausbauen. Der Schritt ist eine Antwort auf den technischen Wandel - aber auch auf den Lehrermangel.

Von Alexander Walter 02.04.2025, 17:12
Ramona Reck, Schulleiterin in Goldbeck (rechts) und Pädagogische Mitarbeiterin Lisa Graf: „Wir wollen unsere Schule modern aufstellen."
Ramona Reck, Schulleiterin in Goldbeck (rechts) und Pädagogische Mitarbeiterin Lisa Graf: „Wir wollen unsere Schule modern aufstellen." Foto: Alexander Walter

Magdeburg - Als Antwort auf den digitalen Wandel, aber auch auf die Personalnot an den Schulen will das Bildungsministerium die Möglichkeiten für digitales Lernen an Sachsen-Anhalts Schulen deutlich ausbauen. Am Mittwoch hat das Haus von Eva Feußner (CDU) dazu an der Gemeinschaftsschule „Wilhelm Wundt“ in Tangerhütte das Modellprojekt „Lernwelt Sachsen-Anhalt“ gestartet. Adressaten sind vorerst 15 Schulen. Sie sollen Zugriff auf mehrere Projekt-Säulen haben:

Live-Übertragung in weit entfernte Klassenräume, Avatare für erkrankte Schüler

So sollen Schüler per Live-Übertragung etwa in der Altmark dem Unterricht in weit entfernten Klassenräumen in Magdeburg verfolgen können – oder mit digitalem Lernmaterial selbstbestimmt lernen. Schüler, die krank etwa mit Gips zu Haus sind, sollen über einen Avatar am Unterricht ihrer Klasse teilnehmen können.

Erste Adressaten sind 15 Sekundar- und Gemeinschaftsschulen im Landesnorden

Digitallabore sollen Möglichkeiten für kreatives Arbeiten erweitern – mit ausleihbaren Robotern, 3-D-Druckern oder VR-Brillen. Vorgesehen seien auch Fortbildungen für Lehrer, sagte Bildungsstaatssekretär Jürgen Böhm. „Ziel ist die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Lern-Settings“, ergänzte er. Das Projekt rücke dabei zunächst Angebote für naturwissenschaftliche Fächer in den Fokus. Erste Adressaten sind 15 Sekundar- und Gemeinschaftsschulen vor allem in der Altmark, die – auch wegen des Lehrermangels – bereits mit veränderten Unterrichtszeiten arbeiten.

Entscheidend ist nicht, dass wir noch mehr Technik in unsere Klassenzimmer kriegen, wir müssen jetzt über pädagogische Transformation in einer digital geprägten Zeit sprechen.

Kay Adenberg, Landesinstitut für Schulqualität (LISA)

„Entscheidend ist nicht, dass wir noch mehr Technik in unsere Klassenzimmer kriegen, wir müssen jetzt über pädagogische Transformation in einer digital geprägten Zeit sprechen“, sagte Kay Adenstedt vom Landesinstitut für Schulqualität (LISA) zur Motivation für das Projekt, das vom LISA entwickelt wurde. „Es geht aber nicht um ein Leuchtturmprojekt“, betonte er.

Schulgesetz ist zu ändern: Digitalunterricht kann künftig neben Präsenz stehen

Nach einer Schulgesetzreform soll die „Lernwelt“ möglichst zum neuen Schuljahr für alle Schulen geöffnet werden, sagte auch Jürgen Böhm. Nötig ist im Gesetzt dabei etwa die Änderung, dass die Schulpflicht auch dann als erfüllt gilt, wenn Unterricht digital von zu Hause aus erfolgt.

Ziel: Langfristig so viele Schulen einbinden, wie möglich

Langfristig wolle man so viele Schulen wie möglich erreichen, betonte Böhm. Wichtig für Sachsen-Anhalt sei dabei aber auch, dass der Digitalpakt von Bund und Ländern als Finanzierungsgrundlage zur Digitalausstattung der Schulen fortgesetzt wird.

Neun Millionen Euro sollen bis 2027 fließen

Laut Ministerium sind bisher 5,4 Millionen Euro in die „Lernwelt“ geflossen – 2,3 Millionen davon stammen aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern. Bis 2027 sollen die Mittel auf dann 9 Millionen Euro aufgestockt werden. Auch hiervon soll ein Drittel vom Bund kommen.

Die Personalnot ist nicht entscheidend. Wir wollen unsere Schule vor allem modern aufstellen.

Ramona Reck, Schulleiterin in Goldbeck

Was meinen die Schulen zum Projekt? „Für uns ist das ein wichtiger Baustein“, sagte Ramona Reck, Leiterin der Sekundarschule Goldbeck (Kreis Stendal) mit 210 Schülern. Bereits seit Corona arbeite ihre Schule mit digitalen Formaten. Schon ab der fünften Klasse bereite vor allem die Pädagogische Mitarbeiterin Lisa Gräf die Schüler aufs digitale Lernen vor.

Dass das neue Projekt auch im Kampf gegen den Lehrermangel helfen soll, sei ihr bewusst, sagte Reck, die an ihrer Schule zuletzt mit einer Unterrichtsversorgung von 68 Prozent konfrontiert war. „Die Personalnot ist aber nicht entscheidend“, ergänzte sie. „Wir wollen unsere Schule vor allem modern aufstellen.“