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Betreuung der Kinder- und Jugendlichen soll Sparplänen zum Opfer fallen Unterschriften-Aktion wird zu einem handfesten Bürgerprotest

Von Christian Besecke 20.09.2013, 03:12

Einwohner von Wegeleben, darunter viele Kinder und Jugendliche, haben die Bürgersprechstunde des Sozialausschusses der Stadt genutzt, um ihren Unmut über die Sparpläne des Landes Sachsen-Anhalt bei den sogenannten freiwilligen Leistungen deutlich zu machen. Sie informierten über eine Unterschriften-aktion und stießen auf großes Verständnis der Ausschussmitglieder.

Wegeleben l Der Bericht von Stadtjugendpflegerin Bettina Wloch zum Abschluss der Sitzung über die kürzlich absolvierten Ferienspiele in Wegeleben ging nahtlos in die Bürgersprechstunde über. Die zahlreich erschienen Einwohner nutzten die Gelegenheit, um ihr Anliegen deutlich zu machen. Das Land Sachsen-Anhalt plane, die freiwilligen Leistungen für die Kommunen im nächsten Jahr um die Hälfte zu kürzen, im darauf folgenden Jahr sollen sie ganz wegfallen. Das würde das Aus für die von der Stadt veranstalteten Ferienspiele bedeuten, die im Landkreis nahezu einmalig seien. Auch der Arbeitsplatz von Bettina Wloch sei gefährdet. Selbst der Jugendclub und das Spielezimmer, so hieß, seien ernsthaft in ihrer Existenz bedroht.

"Das wollen wir nicht hinnehmen", verkündete Karin Fuhrmann vom Kultur- und Heimatverein Wegeleben. "Bettina Wloch macht eine sehr gute Arbeit. Schon oft haben wir gemeinsame Aktionen veranstaltet. Jetzt besteht die Gefahr, dass alles, was über Jahre aufgebaut worden ist, einfach vom Tisch gefegt wird."

Diese Worte wurden von den meisten Mitgliedern des Ausschusses mit Zustimmung quittiert. Auch Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) wies ausdrücklich auf die gute Qualität der Kinder- und Jugendbetreuung in der Stadt und in deren Ortsteilen hin.

Die Jugendlichen Julia Strehlow und Lena Johl verwiesen auf die Unterschriften-aktion, die den Protest der Bürger ausdrücken soll. Beim Erntedankfest hätten spontan 450 Besucher der Veranstaltung ihr Votum gegen die Sparpläne des Landes abgegeben, darunter auch der amtierende Landrat Martin Skiebe (CDU).

Die Aderslebenerin Lena Johl hatte diesen Vorschlag gemacht. Die Jugendlichen waren von der Idee sofort begeistert und stürzten sich mit Elan an die Aufgabe.

"Sammelt doch weiter Unterschriften und übergebt diese dann an den Landkreis Harz. Holt euch unsere Landespolitiker ins Boot!"

Ursula Witt, Stadträtin

Eigentlich sollten die gesammelten Unterschriften bei der Sitzung des Sozialausschusses an Bernd Moczko vom Jugendamt der Harzer Kreisverwaltung übergeben werden. Der war allerdings nicht gekommen.

Stadträtin Ursula Witt wusste jedoch Rat "Sammelt doch weiter Unterschriften und übergebt diese dann an den Landkreis Harz", schlug sie vor. "Holt euch unsere Landespolitiker ins Boot."

Den Gedanken nahmen die erschienenen Jugendlichen dankbar auf. "Wir werden die Bürger nun direkt ansprechen und von Haus zu Haus gehen", so Dustin Burkert. Die Aktion soll weiterlaufen.

Bürgermeister Zimmer, der seine Unterschrift bereits zum Erntefest unter die Protestnote gesetzt hatte, erklärte noch einmal: "Die Einsparungspläne bei den freiwilligen Leistungen sind so nicht hinzunehmen. Aus dem reichen Kulturland Deutschland wird damit das kulturell ärmste Land Europas."

Die Mitglieder des Ausschusses setzten bis auf eine Ausnahme spontan ihre Namenszüge unter das Dokument. Das nahmen René Kramer, der ehemalige Jugendclubchef von Wegeleben, und sein Nachfolger Jörg Henn mit großer Genugtuung zur Kenntnis. "Wir müssen jetzt etwas tun", sagt Henn.

Den Jugendlichen zu ermöglichen, soziale Kontakte in der Freizeit aufzunehmen, sei auch eine Sache des Staates und damit der Landesregierung, so der Tenor an diesem Abend. Man müsse den heranwachsenden Bürgern etwas anbieten und sie so ganz bewusst am gesellschaftlichen Leben beteiligen und integrieren, waren sich alle einig.